Archive for January 2009

Das Glühbirnenproblem

Wie so einige Leute bin ich, gänzlich ökologisch unkorrekt, ein Freund der guten alten Glühbirne. Ich mag die Wärme und das flimmerfreie, weiche Licht. Angesichts des anstehenden Verbots durch die EU bleiben nur zwei Alternativen: Strategische Glühbirnenbevorratung. Oder eine Energiesparlampe finden, die nicht kaltweiss flimmernd nach fünf Minuten ein kümmerliches Pseudolicht von sich gibt, das in den Augen beißt und unfroh macht.

Die Bevorratung scheint möglich, aber realistisch werde ich irgendwann auf Schmuggel aus Osteuropa und Asien zurückgreifen müssen.

Um der Technik eine Chance zu geben kaufe ich immer auch mal wieder so High-End Energiesparlampen. Derzeitiger Kandidat im Test: Osram Dulux Superstar Lumilux Warm White 21W/827. Bei der genauen Lektüre der Verpackung fiel eine sehr merkwürdige Angabe zur Lebensdauer auf, die ja angesichts des Anschaffungspreises von Energersparlampen eine wesentliche Rolle spielt: Offenbar hält die Lampe in Großbritannien bei gleicher Nutzungsintensität nur 6 statt 10 Jahre. Nein, sie haben auch in UK 220-240V und 50 Hz. Es gibt da nur seltsame Steckdosen, sonst ist der Strom gleich.

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Wahrscheinlich denkt sich Osram, daß sie uns nun alle schon so erfolgreich über den Löffel balbiert haben (Osram hat Ende der 90er seine Glühbirnenwerke weitgehend an minderschlaue Investoren verkauft und dann durch Lobbying mit für das Glühbirnenverbot in der EU gesorgt), daß es auch nicht weiter auffällt, wenn sie jetzt beim wesentlichen Werbeversprechen der Energiesparlampen rummauscheln. Irgendwie habe ich mir die ökologische Revolution schöner vorgestellt…

Update: Mein Freund Tobias hat bei Osram nachgefragt und auch eine Antwort bekommen. Es sei ein Druckfehler sagt Osram, eine neue Verpackung mit 10.000 Stunden Betriebsdauer in allen Ländern ist in Vorbereitung. Na gut. Immerhin gab uns das Gelegenheit mal über das Glühbirnenproblem und das europäische Stromnetz zu sprechen. Ersteres wird uns wohl noch eine weile begleiten…

Der Baumsturz 2009

Und auch dieses Jahr wieder, die liebgewordene Tradition des Baumsturzes. Wegen des Fortschritts und der Technik, dieses mal aus zwei Perspektiven, eine davon als HD.

Baumsturz 2009 HD

Baumsturz 2009

Industriegeschichte: Brikettfabrik

Da eine Winterreise ohne Besuch eines Industriedenkmals nur halb so schön wäre, fiel dieses Mal die Wahl auf die Brikettfabrik Louise . Hier nur ein paar fotografische Impressionen von einigen Details.

Einen Besuch kann ich nur dringend empfehlen. Wir bekamen trotz krassen Winterwetters und Abwesenheit weiterer Besucher eine sehr umfangreiche und lehrreiche Führung von einem ehemaligen Mitarbeiter, der auch gerne auf technische Detailfragen antwortete und immer bemüht war, die einzelnen Anlagenteile ins Gesamtsystem einzuordnen. Die Fabrik steht da praktisch so liebevoll erhalten, wie sie 1991 stillgelegt wurde, mit Anlagen die großenteils aus dem 19. Jahrhundert stammen. Ich war lange nicht so angetan von einem Industriedenkmal. Alle paar Wochen im Sommer werden Teile der Anlage sogar mit Dampf wieder angefahren! Sie haben sich extra einen fetten modernen Dampferzeuger neben die Halle gestellt, um das nach heutigen Umweltschutznormen betreiben zu können. Im Normalbetrieb kamen früher aus der Fabrik enorme Mengen Abgase, Dampf und Kohlenstaub.

Also nochmal: hinfahren. Die Besichtigung ist immer inklusive Führung und lohnt sehr.

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Errichtet wurde die Fabrik direkt über einem damals noch im Handbetrieb untertage abgebauten Braunkohlenflöz, um die sogenannte Feinkohle, d.h. die Bröckchen die fürs Kraftwerk zu klein waren, zu Briketts zu pressen. Später wurde die Kohle dann auch von Tagebaugruben aus der Umgebung herrangekarrt.

Die Kohle diente als Energiequelle für alles was in der Fabrik geschah. Die richtige Menge Dampf in den Kesseln war der wesentlichste Betriebsparameter.

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Hier der Arbeitsplatz eines Heizers, und dies war noch die Luxusausführung.

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Trocknungsmaschine für den Kohlestaub. Knochenhart und gefährliche Arbeit.

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Der Lärm im Betrieb war fast überall über 100dB, die Verständigung zwischen einzelnen Stationen war nur mit Glocken, Hupen und einem Sprechrohr möglich.

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Der allgegenwärtige explosive Kohlestaub erforderte drakonische Arbeitsschutzmaßnahmen.

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Um die trockenen Bergmannskehlen zu schmieren und den Knochenjob wenigstens einigermaßen erträglich zu machen gab es Zuteilungen von steuerfreiem Trinkbranntwein. Weiterverkauf strafrechtlich verboten. Man beachte die unprätentiöse Abfüllung in Bierflaschen mit Kronkorken.

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Diese Brikettpresse aus dem 19. Jahrhundert lief bis 1991 und hat das letzte Stück Kohle im Regelbetrieb gepresst.

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So sah das Ergebnis all der Mühen dann aus.

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Sehr spannendes Bit: die kleinen Punkte auf den Briketts geben Auskunft über die Herkunft des Kohlestücks.

Winterreise: Torgau

Gelegentlich verschlägt es mich ja in die ostdeutsche Provinz. Dieses mal in das ausnehmend hübsche Städtchen Torgau an der Elbe.

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Torgau gibt Anlaß über ein schrulliges Detail der Historie zu plaudern, das ich Euch nicht vorenthalten möchte: Die Leipziger Teilung . Der Wikipedia-Eintrag ist wirklich herzerfrischend. Die Kernsätze sind:

Am 17. Juni 1485 fassten die Brüder Ernst und Albrecht III., Herzöge von Sachsen und Erben der wettinischen Länder, den Beschluss, ihre Ländereien zu teilen. (…) Als Verfahren wurde sich darauf geeinigt, dass Ernst einen Teilungsplan ausarbeitet und Albrecht sich dann für eine der beiden zusammengestellten Hälften entscheidet.

Das ist so wie man das aus dem Kinderzimmer beim Schoki aufteilen kennt: einer teilt, der andere sucht aus, wegen der Gerechtigkeit. Und was mit Schoki geht, das geht auch mit Ländern. Ganz einfach eigentlich…

Die Leipziger Teilung gilt als folgenschwerste Fehlentscheidung der sächsischen Geschichte. Langfristig ermöglichte die Schwächung des sächsischen Fürstentums den Aufstieg Brandenburg-Preußens zur Hegemonialmacht.

Ich finde es ja immer wieder schön zu sehen, wie dann zwei bockige Geschwister so einen Einfluß haben konnten, materielle und geopolitsiche Grundinteressen ihrer Länder hin oder her.

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Krasse Wendeltreppe auf Schloß Hartenfels

Achja, was das mit Torgau zu tun hat? Ernst, dessen Clan ein paar Jahrzehnte später komplett gegen die Albertiner verloren hat, hatte seine Residenz in Torgau, auf dem Schloß Hartenfels.

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Und da war ordentlich Renaissance-Halligalli. Dazu gehört auch ein ordentlicher Hofnarr. Der Narr war nur dem Fürsten unterstellt, speiste an seiner Tafel und war auch sonst nicht an die höfischen Regeln gebunden. Dafür wurde von ihm erwartet, daß er Denkanstöße gab und gute Laune verbreitete. Wenn der Narr ordentliche Arbeit geleistet hat wurde er sogar am Gebäude verewigt, so wie Carl Narr hier:

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Torgau ist auch berühmt und bekannt, weil sich hier die sowjetischen und amerikanischen Truppen an der Elbe getroffen haben. Wie so oft bei historischen Ereignissen mit tollen Bildern war auch dieses Ereignis ein bißchen anders und wurde für die Fotografen einen Tag später rearrangiert. Die Wikipedia hat dazu einen schönen Eintrag . Das Denkmal, das aus diesem Anlaß errichtet wurde ist einigermaßen bizarr. Das die Amerikaner auch da waren ist eher so am Rande erwähnt und die USA-Fahne fällt vorwiegend durch die zahlreichen prominent herausgearbeiteten Sterne auf. Interessanterweise ist der Stil sehr ähnlich dem Federal Protzprunk, der sich an diversen US-Regierungsgebäuden aus dieser Zeit findet.

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Die Russen haben, neben dem Weiterbetrieb des Nazi-Knastes auf Fort Zinna als NKWD-Lager (Details siehe hier ), im Stadtbild ein paar liebevoll konservierte Spuren hinterlassen. Der Wegweiser zur Batalionsküche:

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Auch schön bizarr ist eine weitere kulinarische Rarität am Wegesrand: ein Italo-Inder oder auch Indo-Italier.

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Es gibt dort tatsächlich ein Exemplar italo-indisches Fusion-Food: Pizza Punjabi, mit Lammcurry und Chili. Auf einen Test wurde erstmal verzichtet…

Viel Wasser hat die Elbe hier manchmal auch:

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So langsam wurde es dann Abend, was mir Gelegenheit gibt, die Kontraste der örtlichen Stadtlandschaft im Bild zu dokumentieren

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Achja. Der Dorf-Konsum ist nicht tot. Er sieht nur ein kleines bißchen anders aus, ist aber noch genauso trostlos wie früher…

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